Nach 12-Tore-Drama: Das «Eis» feiert erneuten Sieg

Am Sonntag (25.05.) traf der 1. FC Eschlikon auswärts auf das Tabellenschlusslicht aus Wil. Die Partie versprach Spannung: Denn die Wiler mussten gewinnen, um dem direkten Abstieg zu entgehen – für Eschlikon wiederum war ein Sieg im Abstiegskampf Gold wert.

Erste Halbzeit

Das Spiel begann spektakulär: Bereits nach sechs Minuten eroberte Julian Sirgrist den Ball vor dem Strafraum und bediente den freistehenden Renito Müller, der eiskalt zum 1:0 für Eschlikon verwandelte. Die Führung hielt jedoch nicht lange an: Nach einem misslungenen Klärungsversuch traf ein Wiler aus rund 20 Metern zum Ausgleich. Rund 20 Minuten später gingen die Gastgeber sogar mit 2:1 in Führung.
Doch die Gäste aus Eschlikon liessen sich nicht verunsichern. Im Gegenteil, der Rückstand war eine Art Weckruf. Unmittelbar nach dem 2:1 für die Wiler gelangen dem «Eis» aus Eschlikon nach einer guten Passstaffete der Ausgleich: Schliesslich war es Moritz Bosshart, der nach Ablage von Renito Müller aus rund fünf Metern einnetzte.
Mit dem Aufschwung marschierten die Gäste gleich weiter und erzielten drei Minuten später die erneute Führung. Nach Ablage von Marco Millhäusler konnte Kimo Ramsperger aus Sechzehnerhöhe abziehen und traf – mit gütiger Mitthilfe des Wiler Torwarts – zur 3:2 Führung für die Gäste. Doch auch dieser Vorsprung hielt nicht lange an: Nach einem Eckball köpfte ein Wiler zum 3:3 ein, womit es auch gleich in die Pause ging.

Zweite Halbzeit

Mit dem Ausgleich im Rücken startete das Heimteam besser in die zweite Hälfte. Nach einem Eckball und verkürzter Klärung fiel der Ball einem Wiler vor die Füsse, der aus rund 20 Metern sehenswert zum 4:3 traf.
In der Folge waren die Gäste verunsichert – das Fanionteam überliess dem Heimteam grösstenteils das Spiel. Nach einem seltenen Befreiungsschlag kam es jedoch zu einem Freistoss gefährlich nahe der Strafraumgrenze.
Die Frage bloss: «Wer übernimmt Verantwortung und schiesst den Freistoss?» Es war das Urgestein, der Routinier, der Altmeister Marco Millhäusler: Der nominelle Angreifer, der nach 50 Minuten, notgedrungen in der Innenverteidigung einsprang, preschte vor und schnappte sich die Kugel. Mit viel Entschlossenheit haute der Feinste Chnobli an diesem Tag auf den Ball perfekt in die rechte obere Ecke – nach 61 Minuten stand es so 4:4.

Kurz nach dem Ausgleich, konterten die Gäste aus Wil mit einem Treffer zum 5:4 erneut. Eine Beschreibung entfällt, da die Eschlikoner Redaktion bei diesem Torestand mit Regie führen überfordert war. Doch mithilfe der Mannschaftskameraden konnte die Redaktion immerhin den Rest rekonstruieren:

Nach einem Freistoss der Gäste aus dem Halbfeld versammelten sich die Eschlikoner im Strafraum des Heimteams – die Flanke kam, Mike Müller fiel, es ertönte ein Pfiff und der Schiedsrichter entschied: «Elfmeter für die Gäste.» Wieder war es der Altmeister, der Routinier, der feinste Chnobli Marco Millhäusler, der Verantwortung übernahm und den Elfmeter souverän zum 5:5 verwandelte.
Daraufhin flachte das Spiel ab – weder das Wiler Heimteam noch die Gäste aus Eschlikon rissen das Spiel an sich. So war es folglich nicht spielerische Klasse, sondern eigenes Unvermögen, welches das Spiel entschied: Nach einem desaströsen Rückpass eines Wiler Verteidigers spritzte der soeben eingewechselte Simon Künzler dazwischen, schnappte sich das Leder und spitzelte die Kugel ins Tor. So stand es zehn Minuten vor Schluss 6:5 für die Eschlikoner Männer aus Herdern – ein Resultat, mit welchem man Wil in die fünfte Liga schickt und sich selbst so gut wie in der Liga hält. Hiess also: Cool bleiben und die Führung verwalten.

Doch mit elf Toren nach 80 Minuten musste man mit allem rechnen. Was folgte, passte zum Spiel: Es traf erneut das Heimteam, doch nicht zum Ausgleich, sondern ins eigene Tor. Der Eschlikoner Kimo Ramsperger chippte den Ball in Richtung des frischen Stürmers Raphael Bamert: Bevor der Ball jedoch den Stürmer erreichte, rauschte ein Wiler Verteidiger dazwischen. Mit einem wuchtigen Kopfball – wohl gedacht als Rückpass – düpierte er dann seinen eigenen Torwart. Kurios, doch passend zum Spielverlauf waren es so die Wiler, welche mit einem Eigentor – zum 7:5 für Eschlikon – ihren eigenen Abstieg besiegelten.

De Feinsti Chnobli

Marco Millhäusler

Marco Millhäusler war am Sonntag der «Feinsti Chnobli» auf dem Platz: Der Altmeister schritt an diesem Tag voran und lieferte mit zwei Toren und einer Vorlage ab. Bei seiner Ablage zum 2:1 bewies er Übersicht, beim Freistoss zum 4:4 demonstrierte er spielerische Klass und beim Elfmeter zum 5:4 zeigte er Nervenstärke. Als Leaderfigur führte er die Mannschaft an – dies zu Beginn als Angreifer, später notgedrungen als Innenverteidiger: Kurz, Marco Millhäusler war am Sonntag da, wenn die Mannschaft einen Retter brauchte.

Danke „Upi“

Um gleich bei den Lobenshymmen zu bleiben: Rouven Kroh absolvierte mit seinem Einsatz am Sonntag sein letztes Spiel für den FC Eschlikon – der Rechtsverteidiger tritt nach vielen Jahren in der ersten Mannschaft zurück. Der unter dem Namen bekannte „Upi“ – oder nach gewissen Trainern auch „Huuuuupi“ – war in der Mannschaft äusserst beliebt. Trotz seiner ruhigen und unbeeindruckten Art sorgte er immer wieder für Lacher im Training, und auf dem Platz überragte „Upi“ immer wieder mit souveränen und abgeklärten Leistungen. Nach dem Spiel gegen Wil zahlte „Upi“ seinen vorerst letzten Harass im Dress des „Eis“ und verabschiedet sich somit vom Fussball in Eschlikon: Die ganze Mannschaft und der ganze Verein wird den urchigen Rechtsverteidiger vermissen !

Ausblick

Mit 12 Toren nach 90 Minuten fand das kuriose Spektakel dann ein Ende: Dank einem 7:5-Auswärtssieg sicherte sich das Eschlikoner «Eis» den zweiten Dreier in Folge. Und: mit 15 Punkten springt man gar vom neunten auf den achten Platz, womit ein direkter Abstieg rechnerisch nun unmöglich ist. Weiter geht’s nun am Ostermontag (09.06) zuhause gegen Bazenheid: Eine Woche später empfängt man dann zuhause am 14.06 den FC Frauenfeld zur grossen Einweihungsfeier direkt auf dem neuen Platz.

Tore: 0:1 Renito Müller (Vorlage: Julian Sigrist), 1:1 FC Wil 2, 2:1 FC Wil, 2:2 Moritz Bosshart (Vorlage: Renito Müller), 2:3 Kimo Ramsperger (Vorlage: Marco Millhäusler), 3:3 FC Wil, 4:3 FC Wil, 4:4 Marco Millhäusler, 5:4 FC Wil, 5:5 Marco Millhäusler, 5:6 Simon Künzler, 5:7 Eigentor

Aufstellung: Nicolas Peter, Andreas Baumberger, Nicola Dietz (C), Daniel Fuchs, Alessandro Weibel, Julian Sigrist, Kimo Ramsperger, Renito Müller, Florian Egli, Marco Millhäusler, Moritz Bosshart

Ersatzspieler: Raphael Bamert, Simon Künzler, Mike Müller, Bode Obwegeser, Rouven Kroh, Rouven Thalmann

Abwesend: Moritz Dübi, Axel Fürrutter, Marco Künzler, Jaris Mettler, Pascal Millhäusler, Yves Schlegel

Trainer: Stefan Scherrer